Die Folgen der Corona-Schulschließungen

Sehr verehrtes Publikum, stellen Sie sich vor, Sie wären ein alleinstehender Elternteil von zwei schulpflichtigen Kindern. Eines davon hätte eine Lernschwäche, das Kind hat besonders in Französisch Probleme. Sie können kein bisschen Französisch… und besitzen keine stabile Internetverbindung…

Ist Ihnen bewusst, dass seit dem Lockdown rund 6,8 % der 6-14-Jährigen nicht erreichbar waren und dieses Faktum nicht ernst genommen wurde, obwohl Bildungsforscher Alarm schlugen. Auch Warnrufe engagierter Lehrkräfte, die Maßnahmen einforderten, wurden ignoriert.

Die Schulschließung kam vielleicht zum richtigen Zeitpunkt, aber wurde nicht zu Ende gedacht!

Unsere Regierung hat SchülerInnen mit Lernschwächen, SchülerInnen, die zuhause keine Unterstützung erwarten können, SchülerInnen ohne Laptop oder Internetzugang, vom Selbstmanagement überforderte SchülerInnen oder solche mit psychischen Belastungen völlig ausgeblendet!

Die Leihlaptops waren nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Sie kamen spät und manche SchülerInnen erhielten diese gar nicht oder erst, als es eigentlich nicht mehr nötig war.

Was die spärlich und langsam fließenden Informationen angeht, sollte erwähnt werden, dass die Abschlussklassen und MaturantInnen natürlich besonders auf jeden Informationshappen warteten. Sie waren dann auch die ersten, die überhaupt erfuhren, wie es weitergehen könnte. Doch die anderen Schülerinnen und Schüler wurden weiterhin vernachlässigt. Viele Eltern waren maßlos überfordert und konnten ihren Kindern nicht helfen, auch LehrerInnen waren teilweise keine Hilfe, da sich nicht ständig zu erreichen waren und manchmal Aufgabenstellungen mit mangelnden oder missverständlichen Anweisungen versendeten.

Zudem wurde – ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage – behauptet, dass Schulen eine Art „Virenschleuder“ darstellen und deshalb unbedingt geschlossen werden müssten. Die Bildung blieb auf der Strecke, während Baumärkte rasch wieder geöffnet wurden! Am ersten Tag der Wiedereröffnung drängten die Menschen geradezu in die Geschäfte und die Sicherheitsmaßnahmen waren fast schon wieder vergessen. Sind denn die Gartenzwerge für den neu angelegten Garten wichtiger als Bildung?

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie hätten wir die SchülerInnen mehr berücksichtigen können? Hätten wir auf ihre Sorgen und Nöten mehr schauen müssen? Die Antwort ist ja! Die Unterschiede wurden durch das Distance-Learningimmer größer, SchülerInnen, die sich sowieso schon schwer taten, wurden alleingelassen. Und auch als die Schulen wieder öffneten, war die Zeit zu knapp, um alles aufzuholen. Den SchülerInnen hätte eine Öffnung nach Ostern gut getan, speziell denen, die zuhause aus verschiedenen Gründen nichts oder nur wenig machen konnten. 

Und wie sieht es nun aus, im Herbst? Hat man aus den Versäumnissen gelernt? Hat man vorgesorgt, falls eine erneute Schulschließung nötig wird?

Nun ist man doch hoffentlich besser vorbereitet… oder nicht?

Lena D., Celina S., 5.HMA, HLMW9 Michelbeuern, Wien, Österreich

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