Das Bildungssystem und die Krise

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler!

Und wie geht es euch? Hat die Schulschließung im vergangenen März eure Produktivität auch so gesteigert wie meine? Ich muss zugeben, dass ich meine Zeit aber weniger mit Schule verbracht habe, und viel mehr am Handy war oder anders Zeit verschwendet habe. Mitte April bin ich dabei in meinem Instagram-Feed auf einen Kommentar von Barbara Tóth mit dem Titel „Corona-Schulpolitik: Gemacht nur für das Bildungsbürgertum“ gestoßen, der mir aus der Seele gesprochen hat. Die Verfasserin hält uns darin nämlich allen vor Augen, welch geringen Stellenwert unsere Bildung für Politiker in Machtpositionen wirklich hat.

Erinnert euch: Wie viele von uns haben Freunde, die einen Leihlaptop angefordert, ihn aber nie zu Gesicht bekommen haben? Oder wart ihr selbst betroffen? In dieser Krise wurden Prioritäten falsch gesetzt. Bildung sollte für jede funktionierende Gesellschaft essenziell sein. Wenn aber Baumärkte und Floristen vor Schulen öffnen, ist das unverantwortlich. Speziell in der Oberstufe hätte man früher mit der Öffnung beginnen können, wir sind fast erwachsen und in der Lage, die Regeln einzuhalten!

Aber nein, damit den Heimwerkern in der Zeit der Corona-Kontaktbeschränkungen nicht zu langweilig wird, öffnen zuerst die Baumärkte! Und siehe da, Massen stürmten in den ersten Tagen zu Hornbach und Co.

Natürlich wird oft das Argument gebracht „Die Wirtschaft muss gestärkt werden“, aber was ist mit den jungen Menschen, sind wir nicht die Zukunft und jene, die in Zukunft wirtschaften werden? Nicht jeder kann von zu Hause aus lernen, nicht jeder hat die richtige Ausstattung und nicht jeder bekommt die nötige Unterstützung. Dass ca. 7% der Pflichtschülerinnen und Pflichtschüler zwei Monate lang nicht erreichbar waren, sollte den hohen Tieren zu denken geben! Denn es heißt doch, jeder habe ein Recht auf Bildung! Aber diese Zeit hat gezeigt: Auf Schwächere und Bedürftigere wird wenig Rücksicht genommen!

Wenn im Haushalt drei Personen an einem Laptop arbeiten müssen, ist es kein Wunder, dass Aufträge nicht zeitgerecht bearbeitet werden. „Distance-Learning“ hatte, für die, die über die nötigen Ressourcen, also über die nötige Ausstattung und die Unterstützung der Eltern verfügen konnten, aber auch Vorteile: selbstständiges Arbeiten wurde gefördert und bot eine Abwechslung zum gängigen Frontalunterricht. Dieser Vorteil macht die bereits erläuterten Nachteile aber keineswegs wett. Denn nicht in allen Fächern ist digitaler Unterricht sinnvoll und machbar. Als Paradebeispiel dienen die Sprachen: eine „g´scheite“ Konversation ist über Videokonferenz denkbar schwer, wenn bei jeder 3. Person Weißrauschen in der Leitung hängt.

Wichtig in solchen Zeiten ist die nachhaltige Digitalisierung des gesamten Bildungssystems. Schulbücher und weitere Lehrunterlagen sollten stets online abrufbar sein, nicht nur in Krisenzeiten. Das setzt selbstverständlich auch voraus, dass alle SchülerInnen und Lehrkräfte technisch entsprechend ausgestattet und geschult werden, damit es in Online-Phasen keine Probleme gibt. Eine Möglichkeit zum sozialen Lernen sollte es dabei jedoch immer geben. Während eines Lockdowns, wäre es etwa sicher hilfreich, die Schulen für Kleingruppen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, unabhängig von Schulstufe, Schultyp und Stundenplan, zu öffnen, sodass mit FreundInnen oder Lehrkräften gelernt werden kann.

Daher appelliere ich an die politischen Entscheidungsträger: Überlegen Sie gut, ob eine erneute komplette Schulschließung wirklich nötig ist und sorgen Sie im Fall des Falles auch für die richtige Unterstützung. Denn die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen tragen die SchülerInnen, Lehrkräfte und Eltern. Wir haben keine Wahl.

Lara T., Berit W., 5.HMA, HLMW9 Michelbeuern, Wien, Österreich

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