Covid-19: Die neuen Leiden der SchülerInnen

„Sie werden sehen, das wird ein relativ geringes Problem werden“, sagte Österreichs Unterrichtsminister Heinz Faßmann (ÖVP) an dem Tag, an dem die Schulschließung und die Umstellung auf E-Learning infolge der Ausbreitung des Corona-Virus bekannt gegeben wurden. 

Doch, meine Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler, waren die Schulschließungen wirklich so unproblematisch? Was kam damit auf die Betroffenen zu? Auf uns SchülerInnen? Die Lehrkräfte? Die Eltern? Wurden ihre Sorgen und Nöte ausreichend berücksichtigt?

SchülerInnen, Lehrkräfte aber auch Eltern waren durch die Phase des Distance-Learnings immens belastet – sowohl psychisch als auch physisch. Die politischen Entscheidungsträger nahmen dies in Kauf.

Vermutlich haben die meisten SchülerInnen ähnliche Erfahrungen gemacht wie diese: Man möchte sich in der Früh zum Computer setzten und die tägliche E-Learning-Sitzung erledigen, auf einmal bricht die Internetverbindung ab oder der PC macht gerade ein Update, obwohl die Videokonferenz in ein paar Minuten beginnt. Ein anderes Mal standen die Materialien und Hilfsmittel nicht zur Verfügung, die für die vielen Aufgaben erforderlich waren. Es gab SchülerInnen, denen es nicht gelang, sich den Lernstoff sinnvoll einzuteilen. Es gab SchülerInnen, deren Eltern ihnen mangels Bildung oder Sprachkenntnissen nicht weiterhelfen konnten. SchülerInnen mit Lernproblemen oder die Förderung nötig gehabt hätten, wurden nicht ernst genommen und blieben unbeachtet. 

Hinzu kommt, dass es sich bei all dem nicht einfach um ein wohl berechnetes Experiment zur Umstellung des Schulbetriebs auf E-Learning handelte, sondern sich alles im Schatten einer Pandemie vollzog. Diese Pandemie hob Alltag und Gesellschaft aus den Angeln!

Regeln wie Desinfektion beim Betreten des Schulgebäudes oder Sicherheitsabstand zwischen den SchülerInnenn wurden vom Bildungsministerium empfohlen, aber in welchen Maßen können diese auch eingehalten werden?

Das vorgeschlagene Hygienekonzept mag für Schulen im ländlichen Raum geeignet sein, für Schulen in Ballungsräumen ist es vollkommen ungeeignet. Dort sind viel mehr SchülerInnen, gleichzeitig ist alles sehr beengt. Viele Schulen haben nicht die nötige Ausstattung noch ausreichende Räumlichkeiten, um ständiges Händewaschen und ausreichenden Abstand möglich zu machen.

Wie stellt sich das Ministerium das vor? Während man die Türklinken desinfiziert, stehen die SchülerInnen brav mit einem Sicherheitsabstand von einem Meter in der Reihe? Diese Vorstellung ist sehr realitätsfern.

„Kinder für die Situation zu bestrafen, ist der falsche Weg“, mit diesen Worten trat SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid dafür ein, im vergangenen Schuljahr auf Klassenwiederholungen zu verzichten. Zwar entlastet das die SchülerInnen, dennoch sitzt der Lehrstoff nicht zu 100%, manches wurde durch das Distance-Learning verknappt oder gar ausgespart. Daher, im Hinblick auf die Matura, sollte man die Themenbereiche noch einmal ausführlich mit den LehrerInnen durchgehen oder bei der Matura weglassen.

Daran, dass Baumärkte vor den Schulen öffneten, erkennt man unschwer, welche Bedeutung der Schulbetrieb für die politischen Entscheidungsträger hat. Das neue Schuljahr im Corona-Herbst wird zeigen, ob sich daran etwas geändert hat!

Kristina C., 5.HMA, HLMW9 Michelbeuern, Wien, Österreich

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